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Sport Zürich lukker

Søndag d. 14. november 1999

Et berømt blad findes ikke længere

Sport Zürich lukker.

Der Sport - auf ewig vergriffen

Die Zürcher Institution: Eingestellt, da nicht mehr zeitgemäß

Es gibt in der Schweiz immer noch Leute, die am Kiosk den Sport verlangen. Und es gibt immer noch Kioskfrauen, selbst bei den großen Zeitungsständen in den Schweizer Hauptbahnhöfen, die sagen, der Sport sei in dieser Woche ausverkauft und komme erst nächsten Montag wieder. Welch ein Irrtum. Denn erstens war der Sport weder in den letzten Wochen, noch Monaten, ja sogar Jahren kaum einmal vergriffen. Und zweitens kommt die Wochenzeitung Sport in Deutschland und Österreich auch als Züricher Sport bekannt, an keinem Montag mehr zum Kiosk. Leider. Vor gut drei Wochen ist die letzte Ausgabe dieser wohl ältesten und renommiertesten Sport-Publikation im deutschsprachigen Raum erschienen. Der Grund: Das einstige Erfolgsblatt, 1920 gegründet, passte nicht mehr in die Schweizer Zeitungslandschaft. Der Sport wurde von den Ereignissen überholt und war finanziell überfordert. In den letzten Jahren summierten sich die Verluste der Traditionszeitung auf mehr als 50 Millionen Franken. Die Fachzeitung, die sich so sehr gewünscht hatte, in der Schweiz genauso geschätzt und beachtet zu werden wie etwa in Deutschland oder Österreich,wurde im 80. Jahr ihres Bestehens innert zwölf Tagen eingestellt. Sie rentierte nicht mehr - längst nicht mehr. In den vergangenen zehn Jahren wurden permanent rote Zahlen geschrieben, zuletzt soll sich das Jahresdefizit gar zwischen fünf und sieben Millionen Franken eingependelt haben. Werber und Inserenten sprachen davon, dass dieser Sport nicht mehr zeitgemäß sei, den Ereignissen hinterherhinke und an den Interessen vorbei schreibe. Leserinnen und Leser meinten, dass ihnen Berufsleben, Tageszeitungen und die vielen TV-Kanäle kaum Zeit ließen, zusätzlich noch den Sport zu lesen. So war es nicht verwunderlich, dass die Auflagezahlen von Jahr zu Jahr gesunken sind: Zuletzt sollen etwa trotz mitgezählter (Fußball-)Verbands-Abos nur knapp 40 000 Exemplare verkauft worden sein, davon weniger als 8000 am Kiosk. In seinen besten Zeiten hatte der Sport, der damals noch dreimal wöchentlich erschienen ist (Montag, Mittwoch und Freitag), zwischen 80 000 und 100 000 Abonnenten und verkaufte sich noch rund 20 000 Mal am Kiosk. Es sind wohl Erinnerungen an diese Zeiten, die diese einmalige Zeitung mehr als drei Wochen nach ihrer Einstellung immer noch präsent sein lassen - und das nicht nur bei Kioskfrauen. In den 50er-, 60er- und 70er-Jahren hatte der Sport seine Blütezeit. Die Schweizer Radsport-Triumphe von Ferdi Kübler und Hugo Koblet sorgten seinerzeit nicht nur für eine Sport-, sondern auch für eine Lesebegeisterung. Und weil die Sportfans über ihre "Helden" damals viel mehr wissen wollten, als die Tageszeitungen berichten konnten, wurden im Sport auch die längsten Geschichten bis zum Ende gelesen. Als beispielhaft punkto Kompetenz und Ausgewogenheit galten dabei die Kommentare von Chefredakteur Walter Lutz, der in dieser Rolle von 1964 an die Fachzeitung prägte. Als Bernhard Russi 1970 im Südtiroler Grödnertal Abfahrts-Weltmeister wurde, war das für den Sport ebenso ein Sieg auf der ganzen Linie. Damals war der Sport am Kiosk ausverkauft. Ebenso war es auch während der Olympischen Spiele 1972 in Sapporo angesichts der vielen Schweizer Skierfolge. Doch diese Goldenen Jahre des Sport waren bald einmal gezählt. Als Walter Lutz 1985 zurücktrat, hatte sich das Blatt längst zu Gunsten der Tageszeitungen gewendet, wo die Sportredaktionen und die Sportteile großzügig ausgebaut wurden. Acht bis zehn Seiten am Montag sind heute noch die Regel. Doch das Ruinöse für den Sport waren schließlich die beiden Schweizer Sonntagszeitungen, deren Sportteile fast so umfangreich waren wie eine Sport-Nummer. Dass der Sport danach noch Besitzerwechsel verkraften musste und 1991, etwa zeitgleich mit dem Ausbruch des Golf-Krieges, zur Wochenzeitung degradiert wurde, machte die Situation noch auswegloser. Diese fatale Entscheidung, die im Verlag nach einer Milchmädchen-Rechnung erfolgt war - einmal pro Woche zu erscheinen sei kostengünstiger als dreimal - war der Anfang vom Ende des Fachblatts. In den 90er-Jahren hatte sich die Basler Mediengruppe (Basler Zeitung) als Besitzerin des Zürcher Jean Frey Verlags (mit Sport, Weltwoche, Bilanz, Beobachter) etabliert. Und im Grunde war es nur der Geduld und dem Geld der Basler zu verdanken, dass der Sport zuletzt all die Jahre mit Subventionen in Millionenhöhe überleben konnte. Was immer man in dieser Zeit an kosmetischen Korrekturen, modernen Layouts, neuen Konzepten und so genannten Relaunches versuchte - es blieb alles ein Flickwerk. Die einzigen Gewinner waren Art Directoren, die der Fachzeitung zu oft ein neues, "peppigeres" und jüngeres Gesicht verpasst hatten und dabei ignorierten, dass die Abonnenten des Sport immer älter wurden. Für die jungen Leser kam der Sport trotz allem immer noch zu altehrwürdig daher - und war keine "Special-Interest-Publikation". Deswegen werden es wohl eher ältere Leute sein, die in nächster Zeit den Sport am Kiosk suchen werden. Vergeblich. Robert Höpoltseder